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Exotik pur: Passionsfrüchte aus dem eigenen Garten

download_3043Wenn man ihre Früchte riecht und schmeckt, schließt man automatisch die Augen: säuerlich und süß zugleich sind die exotischen Passionsfrüchte,
die mancher im Urlaub probiert hat. Natürlich liegen sie auch – allerdings meistens fest in Plastikfolie verpackt – in der Abteilung exotischer Früchte im gut sortierten Supermarkt. Für die Freunde der großen, wunderbaren Beere gibt es sie jetzt auch für den Garten und als Kübelpflanze für Balkon und Terrasse.

Echt (winter)hart

Der Züchter Markus Kobelt ist stolz auf seinen wahrgewordenen Gärtnertraum, der aus der Passiflora incarnata entstanden ist. Die Lust an der Züchtung und das Selektieren von Sorten, an denen auch der Hobbygärtner Freude hat, ist seine Leidenschaft, die nun ausgerechnet zu dieser Passionsfrucht Eia Popeia geführt hat. Normale Passiflora sind bei uns nicht winterhart, die Passiflora incarnata ist es wohl. Sie kann im Winter bis zu 20 Minusgrade überleben. Wenn man die Blüten, die zu den schönsten, die es überhaupt gibt gehört, betrachtet, käme man nie auf die Idee, dass dieses Zauberwerk, das über den Sommer immer wieder neue, grazile, lilaweiße Blüten hervorbringt, eine solche Härte zeigen kann. Dies hängt damit zusammen, dass die Pflanze erst im Mai, manchmal Anfang Juni, austreibt. Sie wächst rasend schnell und blüht wenige Wochen später. Ab August bilden sich Früchte und wer Ende September bis November ernten will, der entfernt die späten Fruchtansätze, damit die Kraft in die ersten Beeren geht und sie gut ausreifen.

Sonne, Sonne, Sonne und Geduld
Was es braucht, ist vor allem ein sonniger Standort. Die Urform ist in den südöstlichen Staaten Nordamerikas (Florida, Texas, Virginia, Oklahoma, Missouri, North Carolina), aber auch auf den Bermudas, den Antillen, in Mexiko, Brasilien und Argentinien heimisch. Dementsprechend bevorzugt die Schlingpflanze nicht allzu fruchtbare und nicht zu feuchte Böden.

Eine Pflanze, treibt im Laufe eines Sommers gut 50 bis 60 Blüten, aus denen sich bis zu zehn längliche, etwa sechs Zentimeter lange Früchte entwickeln. Sie schmecken köstlich, vorausgesetzt, man übt sich in Geduld und erntet nicht zu früh, sondern erst, wenn die Beeren wirklich gelb sind.

Ganz schön aufregend

Die Passiflora incarnata ist nicht neu. Bei den alten Indianern Nordamerikas war sie ein gängiges Heilmittel. Allerdings wurde damals vor allem ein Tonikum aus der Wurzel verwendet. Die Cherokee verabreichten Kleinkindern einen Wurzeltee aus der Schlingpflanze zur leichteren Entwöhnung, kurierten damit Leberbeschwerden Erwachsener und träufelten warme Aufgüsse gegen Ohrenschmerzen in die Ohren. Der deutsche Naturforscher Johann David Schoepf, der im ausgehenden 18. Jahrhundert über die amerikanischen Heilpflanzen schrieb, wusste von Aufgüssen aus getrockneten Blättern der Passiflora incarnata bei Nervosität, Hysterie und gegen Schlaflosigkeit und Melancholie zu berichten. Fakt ist, dass die Passionsblumenblätter auch heute noch in Kombination mit Baldrian, Hopfen und Melisse in vielen pflanzlichen Beruhigungsmitteln Anwendung finden. Kein Wunder, dass der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzen“ der Universität Würzburg, das exotische Gewächs 2011 zur Arzneipflanze des Jahres gewählt hat.

Markus Kobelt findet seine winterharte wunderschöne Passionsblume, die Aussicht auf die Ernte eigener Früchte verspricht, allerdings überhaupt nicht einschläfernd, sondern aufregend und spannend. Warum er sie dennoch Eia Popeia genannt hat, weiß man nicht so genau. (Lubera)



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